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“Ein Teamleiter ist für die Herren überlebenswichtig” 0

Da staunte Stefan Thomé, Redakteur der Mitteldeutschen Zeitung, nicht schlecht: Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass im Interview ein Bundesliga-Spieler des UHC Sparkasse Weißenfels verkündet, dass er, um ein Zeichen zu setzen, die Teilnahme an der WM-Qualifikation zur Herren-Weltmeisterschaft absagt. Im Interview erklärt der vom Trainerstab, den Mitspielern und der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeitskommission (MÖK) von Floorball Deutschland spielerisch und menschlich hoch geschätzte Akteur, was ihm konkret nicht passt. Und nicht zuletzt hofft er, mit dem Interview aufzurütteln und im Ergebnis vielleicht sogar einen Teamleiter für das sportliche Aushängeschild von Floorball Deutschland zu finden – denn hier sucht der Verband seit Monaten vergebens, so dass sich mittel- und langfristig das adminsitrative Umfeld um das Team verbessert.

Bewerbungen erwartet Sportdirektor Moritz Moersch (Direkt eine Mail senden).

Sebastian Bernieck, deine Teilnahme an der WM-Qualifikation hast du abgesagt, um damit ein Zeichen zu setzen, da dir organisatorische Belange rund um die Nationalmannschaften nicht passen. Was stört dich konkret?

Sebastian Bernjeck: Ich beschreibe das Problem mal an dem Beispiel des Trainingslagers in Tschechien. Am 8. Oktober haben wir eine Mail erhalten, dass vom 1.-3. November ein Trainingslager in Tschechien stattfindet und  die Anreise individuell zu planen ist. Es sollten 2 Spiele und 3 Trainings stattfinden. Am Freitag war Anreisetag und 19:00 Uhr Treffpunkt. Aufgrund der nicht klaren Ansage ob wir uns im Hotel oder direkt an der Halle treffen, stand die Hälfte der Spieler inklusive Trainerstab 19:00 Uhr im Hotel, die andere Hälfte, die sich durch ein Telefonat mit dem Sportdirektor absichern wollte, an der Halle. Das Spiel sollte 20:30 Uhr stattfinden. Somit waren alle Spieler eine halbe Stunde vor Spielbeginn erst an der Halle. 2 Spieler mussten dann noch vor dem Spiel eine Dopingprobe abgeben und konnten somit kein Warm-Up mitmachen! Am Samstag sollten 2 Trainings mit jeweils 3 Stunden Trainingszeit folgen. Das 2.Training musste nach 2 Stunden abgebrochen werden, weil eine Gruppe von Badminton Spielern, die wie es aussah, aus Spaß einmal die Woche in die Halle gehen um sich sportlich zu betätigen, die Halle benötigten. Dann fragt man sich natürlich, warum man soviel Zeit und Geld in die Hand nimmt und dann nicht ein ordentliches Trainingslager bestreiten kann. Wie beschrieben sind es Sachen, die sich über Jahre angehäuft haben und die sich immer wieder wiederholen.

 

Spielt auch die finanzielle Belastung eine Rolle in Bezug auf deine geäußerte Kritik? Denn schließlich müssen alle Spieler die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung bei Nationalteam-Einsätzen selbst tragen, da dies das ohnehin knappe Verbandsbudget komplett sprengen würde.

Natürlich besteht eine sehr hohe finanzielle Belastung für die Spieler, die man aber bereit ist zu zahlen, wenn man seinen Hobbysport liebt und solche Momente wie bei der WM feiern kann. Da solche hohe finanziellen Belastungen entstehen, haben wir als Spieler darum gebeten, die Trainingslager frühzeitig zu terminieren um uns die Chance zugeben, eine billige Fahrt zu den Trainingslagern zu ermöglichen. Das bis heute noch kein Ort für das Vorbereitungs-Trainingslager für die WM-Qualifikation die am 28. Januar stattfindet gefunden ist, spiegelt es wieder.

Es kann auch nicht sein, dass z.B. Geld, dass an einer WM zu viel bezahlt wurde, nicht direkt nach einer WM ausgezahlt wird. Die Spieler mussten ein Jahr warten und bekamen nach mehrmaliger Aufforderung ihr Geld erst wieder. Da bleibt natürlich die Frage, ob der Verband mit den Geldern der Spieler wirtschaftet?!?

 

Im September und Dezember 2013 hatte Sportdirektor Moritz Moersch gemeinsam mit Philippe Soutter Trainingslager organisiert. Allerdings haben die meisten etablierten Nationalspieler die Teilnahme abgesagt, was ja auch kompletten Absagen der Maßnahmen nach sich zog. Ist die Mehrbelastung im Herren-Team mit Liga, Pokal, Beruf, Ausbildung und Familie besonders schwer zu schultern?

Der Aufwand für einen Hobbysport ist tatsächlich sehr hoch. Doch wie gesagt, um alles unter einen Hut zubringen, muss man planen können. Dies war jedoch nicht möglich. Ich denke es fällt vielen Spielern auch einfacher an diesen Trainingslager teilzunehmen, wenn man einen roten Faden auf den Weg zur Quali und dann hoffentlich auch zur WM sehen kann. Somit gehen die Jungs zur WM-Quali mit einem mehr oder weniger Sichtungs-Trainingslager, weil nur die Hälfte der Spieler, die am Trainingslager teilnahmen auch nominiert wurden. Der Zeitpunkt des letzten abgesagten Trainingslagers ist für mich auch nicht gerade optimal gewählt. Ich denke, man könnte den Ligaspielplan und den Plan der Nationalmannschaft wesentlich besser abstimmen. Wir haben am 4. Advent einen Doppelspieltag und sollen eine Woche später, zwischen Weihnachten und Silvester, wieder in ein Trainingslager fahren. Bedingt, dass die lange Saison bis Mitte Mai für viele Spieler gehen wird, ist einfach die Pause nötig um die Spannung als Spieler hochzuhalten.

 

Deine konstruktive Kritik richtet sich also nicht gegen den Trainer Philippe Soutter, wie du es auch der Mitteldeutschen Zeitung gegenüber deutlich gemacht hast. Es fehlt ganz klar im organisatorischen Bereich. Und hier sucht Sportdirektor Moritz Moersch seit Monaten einen Teamleiter für die Herren, bekommt aber nur Absagen. Wie wichtig wäre aus deiner Sicht ein Teamleiter, ohne den auch kein einziges Bundesliga-Team überlebensfähig wäre, und welche Qualitäten müsste dieser mitbringen?

Ich finde für unseren Sport und für den Erhalt der Qualität, die wir jetzt im Nationalteam haben, wird es drastisch gesagt „überlebenswichtig“ sein. Ich muss ehrlich gesagt zugeben, dass ich etwas überrascht war wie viel Zuspruch und Rückendeckung ich in der Angelegenheit meiner Absage durch ehemalige und aktuelle Spieler des Nationalteams bekommen habe. Wenn sich nichts an der aktuellen Situation ändern sollte, werden meines Wissens nach auch noch andere Spieler diesen Schritt machen.

Der neue Teamchef sollte  genauso viel Herz in die Arbeit stecken, wie es die Jungs auch tun, die für unser Land auf dem Feld stehen. Mir ist schon klar, dass man nicht reich durch die Ausübung dieser Tätigkeit werden kann, aber man hat die Chance viele schöne Momente mit der Mannschaft zu erleben. Vor allem sollte er aber im organisatorischen Bereich den Trainerstab entlasten.

Was können Floorball Deutschland, der Trainerstab, die Vereine und Landesverbände sowie Spieler tun, um die Situation nachhaltig zu verbessern? Was wünschst du dir?

Ich hatte mir eigentlich von Floorball Deutschland gewünscht, den Schwung von der WM mitzunehmen und dem Ziel eine große Floorballnation zu werden, dadurch näher zu kommen. Der Verband muss es schaffen, einen qualitativ guten Spielbetrieb zu organisieren, um ein gutes „Produkt“ zu schaffen, um auf sich aufmerksam zu machen, um möglichst viele Zuschauer in die Hallen zu locken und dadurch Sponsoren für unseren Sport zu finden. Bei der Verteilung der Teilzeitstellen wurde aber genau dieser Bereich nicht professionalisiert.

Der Trainerstab hat durch den Zuzug von Christoph Huber, eine wichtige Personalie getätigt, um die Sichtung der Spieler zu verbessern, denn bis heute wurde leider noch nie ein Spiel des Trainerstabes in der Bundesliga verfolgt. Nachhaltig sind die Vereine, die Verbände und die Spieler verantwortlich, was in der Zukunft passieren wird und wohin sich unser Sport entwickelt. Es müssen von den Landesverbänden und vom Verband klare Ziele, die den Spielbetrieb nachhaltig verbessern, gesetzt werden. Wie z.B. in 10 Jahren muss jeder Bundesliga Verein ein U19 und ein U17 Team im Spielbetrieb stellen. Nur so kann auch Druck auf die Vereine ausgeübt werden um auf den Nachwuchs zu bauen und wir bekommen viele Jugendliche in die Vereine und später vielleicht sogar in die Nationalmannschaft. Zusätzlich würde ich es mir wünschen, dass viele Spieler sich als Trainer engagieren, um ihr Wissen weiter zugeben mit dem Ziel, dass die Jugendlichen mal besser werden, als man selber war.

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