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Beinah historisch verloren 0

Nach der knappen 2:6-Niederlage gegen Tschechien am Freitagmittag steht schon einmal eines fest: Deutschland wird weder Gruppensieger noch Gruppenzweiter. Stattdessen bleibt dem Team von Philippe Soutter wohl „nur“ der dritte Rang der europäischen Qualifikationsgruppe 3. Damit muss nun voraussichtlich bis Sonntag um die WM-Teilnahme gezittert werden, da nur die besten zwei Gruppendritten aller WM-Qualifikationsgruppen im Dezember in Schweden antreten dürfen.

 

(Fast) besser denn je: Das 2:6 ist das beste Ergebnis, welches seit 1996 gegen eine der Top Vier-Nationen Schweden, Schweiz, Tschechien oder die Schweiz erzielt worden ist. Auch wenn es unter Umständen nicht für die WM-Endrunde reichen sollte, konnte das junge deutsche Team allen Beobachtern beweisen, dass auch ohne wichtige Stützen die internationale Konkurrenzfähigkeit gegeben ist.

 

Nackte Zahlen: Deutschland – Tschechien, Freitag, 31. Januar, 15 Uhr, Jan Massinkhal Nijmegen, 180 Zuschauer: 6.34 1:0 Alexander Burmeister (Jonas Hoffmann), 11.19 1:1 Eigentor, 15.39 1:2 Jan Jelinek (Tomas Sykora), 33.31 1:3 Martin Zozulak (Ondrej Mikes), 45.03 1:4 Wojtech Skalik (Matej Jendrisak), 46.07 1:5 Tom Ondrusek (Tomas Sykora), 47.31 2:5 Dominic Mucha (Benjamin Borth), 49.53 2:6 Ondrey Mikes (Lukas Veltsmid)

 

Internationale Glückwünsche: Allen voran die Leistung gegen Tschechien wurde international mit wohlwollendem Staunen registriert. Einen freundschaftlichen Händedruck gab es kurz nach Spielende auch von Renato Wyss, dem Headcoach Österreichs, der Philippe Soutter zum Auftritt seines Teams gratulierte. Soutter freute sich darüber hinaus auch über die Reaktion des tschechischen Teams: Denn die Undisziplinierten gegen die deutschen Spieler, allen voran zum Ende der Partie, seien ein spezielles und sehr großes Kompliment.

 

Schüchterne Schiedsrichter: Phasenweise ging es in der Jan Massinkhal am Freitagabend zu wie auf dem Schulhof, wenn die achte Klasse Pausenaufsicht hat und Zwölftklässler raufen. Mit schmallippigen Ansagen und kaum präsenter Körpersprache liefen die Refs in der ersten Reihe und schauten vorrangig zu, wie die tschechischen Kraftpakete die unklar gesetzten Grenzen ausreizten. Allen voran die Mucha-Zwillinge hatten unter den stetig harten, aber tatsächlich selten wirklich unfairen, Attacken zu leiden.

 

Der Brüller: Beim Tschechien-Spiel war wieder Mike Dietz im Tor. Und wie bei der WM 2012 in der Schweiz brachte sich der Hamburger Hühne selbst auf Betriebstemperatur. Bei den ersten Paraden brüllte er den tschechischen Angreifern seine Torverhinderungslust nur so entgegen, dass selbst die es mit der Angst bekommen haben müssen. Und wenn er gerade nicht gehaltene Bälle feierte, koordinierte Dietz lautstark die Abwehrbeine. Da hatte sich einiges angestaut: Denn zuletzt, als er des Studiums wegen in Schweden spielte, musste er sich mit Anweisungen zurückhalten. Dafür reichte das Schwedisch einfach nicht, meinte er.

 

Falkenberger ferngesteuert: Der Torschütze zum 1:0 gab beim Ausdehnen unumwunden zu, dass er für den Führungstreffer nicht nur den Pass von Jonas Hoffmann brauchte, sondern auch dessen verbale Handlungsempfehlung. Falkenberger: „Ich hatte die Situation noch gar nicht durchblickt. Da rief mir Jonas Hoffmann mit dem Pass zu, dass ich in die kurze Ecke schießen soll.“ Gehört, getan, getroffen.

 

Rechnung mit Unbekannten: Natürlich haben alle Spieler im Laufe der letzten Tage die Ergebnisse der anderen Qualifikationsgruppen gecheckt. Nahezu auswendig hatte Mike Dietz die Wasserstandsmeldungen drauf. Tim Böttcher winkte ab: „Das waren mir deutlich zu viele Zahlen.“

 

Streichresultat: Selten hat es in der deutschen Floorballgeschichte ein unwichtigeres letztes Turnierspiel gegeben wie dieses am Samstagvormittag gegen Großbritannien. Dies liegt gar nicht an den Briten, sondern an der Tatsache, dass wenn – wie zu erwarten ist – Deutschland nicht hoch verloren sollte, eben dieses Spiel aus der Wertung der Berechnung der besten Drittplatzierten gestrichen würde. Denn: Zwei der vier europäischen Qualifikationsgruppen werden nur mit fünf Teams gespielt. Um vorgeblich Chancengleichheit zu schaffen, werden also in den beiden 6er Gruppen die Resultate der jeweils Gruppendritten gegen den Gruppenletzten gestrichen. Da geht es also zu wie beim Eiskunstlaufen. Rückfragen bitte direkt an Christa Haas vom ZDF – keine moderiert so schön um Streichresultate herum.

 

Schönheit der Chance: Ja, Deutschland kann sich noch für die WM qualifizieren. Allerdings gilt zu beachten: In Gruppe 1 sollte am Samstag um 18 Uhr Polen nicht mit 25 Toren Unterschied gegen Frankreich gewinnen. Wenn doch, wären sie ein besserer Dritter als Deutschland. In Gruppe 2 heißt es Vorsicht vor der Slowakei. Denn selbst wenn die Gastgeber am Samstag gegen Estland verlieren sollten, haben sie am Sonntagnachmittag gegen Belgien zumindest die Chance, einen wie auch immer benötigten Vorsprung herauszuschießen. Gruppe vier scheint wiederum ungefährlich, sofern es morgen um 18 Uhr zwischen Lettland und Italien einen Sieger gibt. Spielen beide allerdings unentschieden, hätten Italien zwar das schlechtere Torverhältnis gegenüber Deutschland aber mit 5 Punkten eben einen Zähler mehr.

 

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