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Robert Börner: „Der Spaß an der Sportart ist nicht vergangen“ 1

Die beiden ehrenamtlichen Verbandsmitarbeiter Robert Börner und Sebastian Döring, die zuletzt mehrere Jahre führend in der Regel- und Schiedsrichterkommission (RSK) aktiv waren, werden zum Saisonende ihre Tätigkeit beenden. Mitte Januar wurde darüber bereits der Geschäftsführende Vorstand informiert und kürzlich auch die anderen Kommissionen und die Mitgliedsvereine. Über die Gründe und die Zukunft der Kommission, in der die anderen beiden Mitarbeiter Thomas Haas und Christian Baureis mit dem Fokus auf ihre Kernaufgaben vorerst erhalten bleiben, spricht Robert Börner. Er wirbt im Gespräch auch intensiv um mögliche Nachfolger, die sich ab sofort melden können. Schließlich warten hoch interessante Aufgaben…

Robert, eure Rücktrittsentscheidung hat viele, viele Leute, die seit Jahren in unterschiedlichsten Funktionen und Ebenen für FD tätig sind, geschockt. Wo liegen die Gründe für diesen Schritt?

Die Gründe sind, wie so häufig, eher vielfältig. Wir arbeiten bereits sehr lange in der Kommission, was in der Regel auch große Freude bereitete. Die gute Stimmung innerhalb der Kommission hat einen früheren Abschied sogar verzögert. Durch die hohe Belastung und den nahezu ganzjährigen Arbeitsrhythmus der Kommission fehlt jedoch die Zeit mal durchzuatmen und neue Idee und Ziele zu entwickeln. Es erschöpft sich also etwas von selbst und die Arbeit endet im Trott.

Hinzu kommt sicher die allgemeine Lage der Sportart und des Verbandes, die ein ruhiges und kontinuierliches Arbeiten fast unmöglich macht. Die SBK und RSK sind die beiden Kommissionen, die für einen möglichst reibungslosen Spielbetrieb sorgen und dafür Woche für Woche ehrenamtlich viele Stunden – meistens zu Zeiten, die man sich nicht aussuchen oder rechtzeitig vorher planen kann – investieren, um dann an den Wochenenden häufig doch nur Kritik zu ernten. Vor allem durch diesen Einsatz der Mitarbeiter hat sich aber vieles professionalisiert – trotzdem ist die Arbeit für den Verband bei vielen außerhalb der Verbandsebene nicht positiv angesehen. Wenn dann, wie im letzten halben Jahr, auch im Verband an sich einiges drunter und drüber läuft, beschleunigt das die Negativspirale nur.

Wie hätte euch der Verband, also Geschäftsführender Vorstand, Geschäftsstelle, andere Kommissionen und auch die Vereine oder Schiedsrichter besser unterstützen können? 

Wir können uns eigentlich nicht groß beschweren. Häufig wurde uns intern gute Arbeit beschieden und daraus resultierte wahrscheinlich auch, dass wir ohne Eingriffe von außen und sehr selbstständig unsere Kommissionsarbeit erledigen konnten. Gab es unsererseits Fragen oder Probleme, konnten wir mit den genannten nahezu immer eine zufriedenstellende Lösung finden. Gewöhnungsbedürftig ist sicher, dass auf dieser Verbandsebene alle Vorgänge etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Mehr Geduld wünschte ich mir manchmal von den Vereinen der Bundesligen und mehr Verantwortungsbewusstsein von einzelnen Bundesligaschiedsrichtern. Der Schiedsrichterbereich entwickelt sich zwangsläufig eher langsamer als andere Bereiche, weil die Möglichkeiten zum regelmäßigen Coachen und Üben fehlen. Bei uns hat ein normaler Schiedsrichter der Bundesliga ca. 5-10 Pflichtspiele pro Saison und, je nach persönlichem Engagement einzelne Vorbereitungsspiele. Zum einen ist es da normal, dass große Entwicklungssprünge nicht in kurzer Zeit zu erwarten sind. Zum anderen muss diese wenige Zeit aber auch eigenständig genutzt werden damit überhaupt eine persönliche Entwicklung stattfindet. Ich bin trotzdem davon überzeugt, dass wir in den letzten Jahren um Einiges vorangekommen sind und hoffe, dass dies auch nachhaltig ist.

Sebastian Döring

Wie viel Zeit hat euch eure ehrenamtliche Tätigkeit in einer normalen Saisonwoche gekostet und wie hoch war euer zeitlicher Aufwand in den Saisonpausen?

Wir haben uns trotz der eher geringen Anzahl an Kommissionsmitarbeitern einen hohen Anspruch gesetzt und demzufolge auch ein hohes Pensum auferlegt, sodass ich es in einer normalen Woche auf  10-15 Stunden pro Woche schätzen würde. Da es aber sehr wechselhaft ist, ist eine genaue Angabe schwierig. In der Saisonpause ist das Arbeitspensum mit weit über 20 Stunden deutlich höher, weil die Schiedsrichterkurse und die Überarbeitung der Durchführungsbestimmungen auf dem Programm stehen. Leider war die Wahrnehmung manchmal eine andere: die machen ein paar Kurse im Jahr, ansonsten gibt es routinemäßig Schiedsrichter anzusetzen – sonst fällt da nicht viel Arbeit an. Dem ist definitiv nicht so.

Wie lässt sich der Job als Mitarbeiter in der Regel- und Schiedsrichterkommission dennoch schmackhaft machen? Was müsste sich vielleicht am Aufgabenzuschnitt ändern?

Die Arbeit an sich ist schon deshalb interessant, weil die Entwicklung in dem gesamten Bereich noch lange nicht abgeschlossen ist. Interessenten können sich also selbst noch in diesem einbringen und Ideen entwickeln und umsetzen. Zudem steht man in Kontakt mit vielen anderen Menschen aus dem Floorball, sodass sich dabei sicher auch einiges über sich selbst und andere lernen lässt, das bisher vielleicht noch unentdeckt ist. Man muss nicht mal zwingend aus dem Schiedsrichterbereich kommen und bereits eine Karriere vorweisen können. In der direkten Arbeit mit Schiedsrichtern, Vereinen und Landesverbänden ist das sicher hilfreich. Es gibt aber auch noch genügend Dinge, die eher kommissionsintern anzusiedeln sind und administrative Abläufe betreffen. Je nach Aufteilung der Arbeiten muss dann mehr oder weniger Zeit investiert werden.

Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit sollten mögliche Interessenten aus meiner Sicht vor allem die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und, wie oben geschrieben, die Fähigkeit zur Geduld mitbringen.

Gibt es schon Kandidaten, die eure Aufgabenfelder übernehmen werden? Und wie geht es mit euch persönlich weiter – ihr bleibt der Sportart und Floorball Deutschland doch hoffentlich erhalten?

Uns sind bisher keine Nachfolgekandidaten bekannt. Allerdings liegt die Entscheidung auch noch nicht lange zurück und es startet jetzt erst so richtig der Aufruf dazu. Sollte sich also jemand für die Arbeit in der Schiedsrichterkommission des nationalen Verbandes interessieren und ehrenamtlich tätig werden bzw. in diesem Bereich neu oder auf anderer Ebene engagieren wollen, bitten wir darum mit der Geschäftsstelle (office@floorball.de) oder uns (rsk@floorball.de) in Kontakt zu treten. Wir können sicher weitere Fragen beantworten oder ggf. an die richtigen Stellen weiterleiten.

Uns wird man sicher auch weiter in den Sporthallen bei Floorballspielen sehen. Bei allen Problemen ist der Spaß an der Sportart an sich nicht vergangen.

 

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