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U19-Nationaltrainer Thomas Berger verlängert bis 2019 3

Bei der momentan stattfindenden U19-Weltmeisterschaft in Växjö, Schweden, ist die deutsche Nationalmannschaft trotz einer überraschenden Niederlage gegen Australien erfolgreich ins Halbfinale eingezogen. Chefcoach der Auswahl ist Thomas Berger, zehnfacher Schweizer Meistertrainer und einer der angesehensten Floorball-Experten überhaupt. Schon seit längerem mit Floorball Deutschland über eine Vertragsverlängerung bis zur WM 2019 einig, traf er sich am Rande der Weltmeisterschaft mit Sportdirektor Moritz Moersch, um auch offiziell die Tinte unter den Vertrag zu setzen. Dieser sagte zur Verlängerung Bergers: „Wir als Floorball Deutschland und insbesondere auch ich selbst als Sportdirektor sind ungemein glücklich, weiterhin mit einer absoluten Koryphäe des Floorball-Sports wie Thomas Berger zusammenarbeiten zu können. Selbst, wenn es bei dieser WM nichts mit einem Turniersieg werden sollte, so ist die Arbeit, die er für den deutschen Nachwuchs leistet, doch unbezahlbar.“  Im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung nutzten wir die Zeit für ein ausgiebiges Interview über Vision und Motivation des Erfolgstrainers.

Floorball Deutschland: Thomas Berger, du bist seit 2013 Cheftrainer der U19-Herren. Wie kam es zu der Entscheidung, bei Floorball Deutschland zu verlängern?

Berger: Als ich angefangen habe, war die Idee einfach, dem deutschen Floorball zu helfen. Die Verlängerung rührt eher daher, dass man langsam positive Effekte sieht, auch wenn das Projekt nicht immer ganz erfolgreich war. Die gibt es unbestreitbar und das macht es spannend, hier zu arbeiten. Und, ganz ehrlich, die nächste WM ist in Kanada und es reizt mich schon ein bisschen, dort ein außergewöhnliches Turnier zu bestreiten.

Die letzten vier Jahre waren bei Floorball Deutschland sehr unstetig. Auf einen Schritt vorwärts folgte oft ein Schritt zurück. Was treibt dich an? Was motiviert dich?

Vor allem, dass es bei uns eben gar nicht derart unstetig war, sondern dass wir eine positive Entwicklung sehen. Wenn wir nach unten schauen in die U17-Nationalmannschaft und merken, dass Spieler nachkommen, die schon ein anderes Fundament mitbringen als noch vor vier Jahren – das erleichtert uns die Arbeit. Wenn ich jetzt die Spiele gegen die USA, Ungarn und auch das gegen Australien anschaue und dann die anderen Spiele der B-Division, dann bin ich schon stolz auf das, was wir gemacht haben. Vielleicht sehe ich das ein bisschen durch die pinke Brille, aber ich habe das Gefühl, dass wir am strukturiertesten spielen. Man sieht, was wir machen wollen – das sieht man bei keinem anderen von den B-Teams so deutlich.

Wie bewertest du denn die vergangenen vier Jahre speziell auf die U19-Herren bezogen? Zu Beginn deiner Amtszeit sprachst du davon, sich der Weltspitze anzunähern. Ist das gelungen?

Bei der ersten Kampagne habe ich noch gesagt, dass wir zuerst A-Niveau erreichen müssen, um aufzusteigen. Das habe ich mittlerweile verworfen, das schaffen wir nicht. Das Niveau innerhalb Deutschlands erlaubt uns nicht, ein A-Level hinzubekommen. Es ist zu wenig Substanz vorhanden, in der Ausbildung der Spieler mangelt es einfach. Stattdessen müssen wir versuchen aufzusteigen, dann den Sog nutzen und dadurch hoffentlich vorwärts kommen.

In ganz Floorball Deutschland mangelt es nicht an Baustellen. Was muss sich aus deiner Sicht am dringendsten ändern?

Die Trainerausbildung. Die ist elementar und muss deutlich verbessert werden. Als zweites die Arbeit mit den Schulen. In der Schweiz spielen alle Kinder Floorball im Schulunterricht. Wenn das in Deutschland auch der Fall wäre, würde es eine viel größere Masse an interessierten Personen geben. Bisher muss jeder Verein mit AGs versuchen, das Interesse zu wecken, das ist sehr mühsam. Das wären meine zwei Punkte, alles andere ist zu politisch für mich.

Du bist seit 2016 wieder Cheftrainer des Schweizer Topclubs SV Wiler-Ersigen. Dort trainierst du u. a. mit Tatu Väänänen, dem Kapitän des finnischen Nationalteams, einen aktuellen Weltmeister. Wie schaffst du es, zwischen den unterschiedlichen Floorball-Welten hin und her zu wechseln?

Das ist genau der Vorteil mit der U19, genau deshalb möchte ich auch nicht Herren trainieren. Sonst habe ich zweimal das gleiche. Jetzt kann ich klar unterscheiden: das dort sind Herren, das ist eine andere Welt – und das hier ist Ausbildung. Was die Arbeit hier außerdem sehr leicht macht, ist die Motivation der Spieler. Die ist top, da kann man den Jungs absolut nichts vorwerfen. In der Hinsicht sind sie auf dem gleichen Level wie ihre Schweizer Alterskollegen, aber sie haben leider nicht die gleichen Möglichkeiten.  

Wie sehen denn deine Vorstellungen und Ziele für die kommenden zwei Jahre aus?

Wir haben hier eine deutlich jüngere Mannschaft als noch vor zwei Jahren, fast 50% könnte noch die nächste WM spielen. Beim letzten Mal waren es nur drei. Wir stellen uns schon vor, dass da etwas bei herausspringen kann. Außerdem werden die Spieler von unten immer besser, teilweise sind sie sogar schon besser als ihre älteren Mitspieler. Das kann gern so weitergehen. Generell bringt die kommende WM schon durch ihre Lage Spannung und Herausforderungen mit sich, sonst wäre es ja auch langweilig.

Abschließend: Wenn du einen Wunsch frei hättest …

… dann würde ich mir wünschen, dass wir für die Spieler hier die gleichen Strukturen schaffen können, wie das in anderen Nationen auch der Fall ist. Damit sie einfach beweisen können, dass sie Floorball genauso gut spielen würden, wenn sie die Möglichkeiten dazu hätten. Stand jetzt ist es schlicht unmöglich und es liegt nicht einmal an den Spielern. Das tut immer auch ein Stück weit weh.

Vielen Dank dir, Thomas, viel Erfolg noch für den weiteren Verlauf dieser Weltmeisterschaft und natürlich darüber hinaus für die nächsten zwei Jahre.

Text & Interview: Tilmann Gebhardt, Daniel Kunze

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