Floorball Deutschland-Präsident Prof. Dr. Oliver Stoll reiste am Donnerstag zur Damen WM nach St. Gallen, um dort repräsentative Aufgaben zu erfüllen. So nahm er unter anderem am Treffen der Mitgliedernationen, dem Association Meeting, dem Central Board Meeting der International Floorball Federation (IFF) oder diversen Sponsorenverhandlungen teil.
Welche Aufgaben hast du im Rahmen der Damen WM in St. Gallen wahrgenommen?
Prof. Dr. Stoll: Ich war in zwei Funktionen bei der WM, einmal als Präsident von Floorball Deutschland, um das Team zu unterstützen und in der Funktion des Central Board Mitglieds. Bei der WM war ich hauptsächlich, um das deutsche Team zu unterstützen und Präsenz zu zeigen. Ich bin zufrieden mit der Leistung der deutschen Damen. Ich weiß, dass sie den 9. Platz erreichen wollten und dass sie es nicht geschafft haben. Aber ich weiß auch, dass sie die schwerste Gruppe erwischt haben. Die Spiele gegen Australien und Lettland waren richtig gut. Gegen Finnland darf man 1:9 verlieren, im Spiel gegen Russland kann man im Sudden Death auch verlieren. Wobei eben diese Partie weit früher hätte entschieden werden müssen. Aber der Sieg gegen die Slowakei hat mich dann wieder überzeugt. Die Trainer haben es geschafft, die Mannschaft innerhalb von 24 Stunden wieder auf Kurs zu bringen. Darin seh ich einen Fortschritt, auch im Gegensatz zu der WM 2009.
Du hast am so genannten Central Board (CB) Meeting teilgenommen. Welche Themen galt es zu besprechen?
Das Central Board Meeting war am Freitag und Samstag. Dabei ging es vor allem um das neue Lizenzierungssystem, das die IFF 2014 einführen wird. Das besagt, dass Nationen nur zu Major IFF events, also Weltmeisterschaften antreten dürfen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu zählen der regelmäßige Spielbetrieb im Frauen- und Herren-Bereich. Natürlich müssen sie sich allen IFF Statuten unterwerfen, sie müssen Anti-Doping-Arbeit leisten und bereits mindestens ein internationales Event durchgeführt haben, und sei es nur ein Länderspiel. Zusätzlich müssen sie zwölf Monate IFF Mitglied sein und selbstverständlich keine finanziellen Interessen verfolgen.
Müssen alle Kriterien, die du aufgeführt hast, ausnahmslos erfüllt werden?
Ja, alle müssen ausnahmslos erfüllt sein. Damit wird es in der Tat für manche Länder schwierig, da wir Nationen haben, die an WM's teilnehmen, wo es an der ein oder anderen Stelle kritisch ist, dass sie diesen Anforderungen gerecht werden. Um diesen Nationen Zeit zu geben, wurde das System bereits jetzt beschlossen.
Ist das international eine übliche Verfahrensweise, ein solches Lizenzverfahren?
Ja, ist es. Es ist auch eine Forderung des International Olympic Committee (IOC), damit eine Sportart bei Olympia überhaupt starten darf. Da wir auf die Shortlist wollen, müssen wir daran arbeiten. 2024 besteht für Floorball die erste reale Chance olympisch zu werden. 2020 ist es noch nicht realistisch, dass wir auf die Shortlist kommen. Für 2024 werden wir daher ab 2016 vom IOC evaluiert, ob wir dieses Vorhaben schaffen. Beim Meeting hatten wir auch einen ehemaligen Mitarbeiter des IOC dabei, der uns Hinweise gab, wenn wir jetzt den nächsten Schritt gehen wollen.
Gab es noch andere Themen auf dem Tagungsplan?
Der Schweizer Verband reichte noch einen Antrag ein, dass die Kaderstärke der Nationalmannschaften von derzeit 20 auf 23 erhöht werden sollte. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt. Des Weiteren haben wir einen Kooperationsvertrag mit Special Olympics geschlossen. Außerdem wurde viel über den Stand der Dinge der einzelnen Nationen berichtet. Estland, Norwegen und Tschechien stellten ihre Verbandsarbeit vor. Frappierend war für mich als deutscher Verbandsvertreter zu sehen, dass alle diese Nationen hauptamtlich arbeiten. Norwegen zum Beispiel hat vollbezahlte 30 Mitarbeiter, Estland eine vom Staat finanziell unterstützte Geschäftsstelle. Da sieht man einmal, wie es in anderen Ländern laufen kann. Wir arbeiten bis auf die halbe Stelle der Geschäftsführers noch vollkommen ehrenamtlich.
Und dennoch heißt es derzeit, dass es Norwegen wieder nicht schaffen wird, die U19 Herren WM zu übernehmen.
30 hauptamtliche Mitarbeiter und sie schaffen es dennoch wieder nicht, die U19 WM auszurichten. Das hat mir mal wieder gezeigt, was wir in Deutschland derzeit leisten. Das kann sich auch niemand so richtig vorstellen, dass wir das alles nur mit Ehrenamtlichen bewältigen.
Du bist seit Donnerstag bei der WM vor Ort. Welchen Eindruck hast du von dem Schweizer Floorball-Event Damen WM?
Dass die Schweizer ein solches Event auf die Beine stellen können, wusste ich vorher. Die Organisation ist auch ordentlich. Bis auf den ersten Tag, wo doch noch ein paar Unstimmigkeiten zwischen der IFF und dem Veranstalter herrschten, aber sonst ist es eine Veranstaltung, die routiniert abläuft. Aber man muss auch sehen, dass die Schweizer damit eine Viertel Million Verlust machen. Sie sehen es aber als Investition, verfügen auch über einen Jahresetat von sechs Millionen Franken.